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"Darknet - Waffen, Drogen, Whistleblower". Vortrag von Stefan Mey in der Gemeindebücherei Feldafing.

Erstellt von Patricia Rex |

Als Ort für die finsteren Seiten der Gesellschaft geistert das Darknet (englisch für "dunkles Netz") immer wieder durch mediale Horrorgeschichten. Warum um Himmels Willen bietet die Volkshochschule Starnberger See e. V. eine Einführung in dieses Darknet an?

Hintergrund der für eine Volkshochschule eher außergewöhnlichen Veranstaltung am 4. April 2019 ist die Vortrags-Tournee des Berliner Journalisten Stefan Mey, der dabei auch am Starnberger See Halt macht und in der Gemeindebücherei Feldafing von den Ergebnissen seiner umfangreichen Darknet-Recherchen berichtet.

Die Anmeldungen für die Veranstaltung laufen nur langsam an. Ist das Thema vielen nicht geheuer? Am Vortragsabend jedoch füllt sich die Gemeindebücherei so schnell mit Zuhörern, dass noch Stühle hinzugeholt werden müssen. Im Publikum sind wissbegierige Senioren, Gemeinderäte und ganze Familien zu finden. Schon während des Vortrags stellen die Zuhörer so viele Zwischenfragen wie — laut vhs-Leiterin Christine Loibl — bei noch keiner Sonderveranstaltung zuvor, und der Referent Stefan Mey muss immer wieder zum Faden seines Vortrags zurückfinden. Die Fragen reichen von technischen Themen („Kann das Darknet Internet-Banking sicherer machen?“) über Rechtliches („Ist die Nutzung des Tor-Browsers legal?“) bis hin zu journalistischem Interesse („Wie sind Sie bei der Recherche vorgegangen?“).

Voraussetzung für die Nutzung des Darknets ist die Verwendung eines speziellen Internet-Browsers, der mithilfe der sogenannten Onion-Technologie anonymes Surfen ermöglicht. Der Datenverkehr läuft hier über eine Reihe von zufällig ausgewählten Internet-Knoten, die verschlüsselt wie die Schichten einer Zwiebel übereinander liegen und dadurch verhindern, dass zurückverfolgt werden kann, von wem eine Webseite aufgerufen wurde. Darknet-Webseiten haben daher statt ".de" oder ".com" die Endung ".onion" (englisch für "Zwiebel"). Da sich mit dem frei verfügbaren Tor-Browser ebenso normale Webseiten aufrufen lassen, wird er von vielen Nutzern auch einfach zum anonymen Surfen im Internet verwendet.

Überraschend für viele Zuhörer des Vortrags ist die Erkenntnis, dass das Darknet, dem düsteren Namen zum Trotz, keineswegs zu verbrecherischen Zwecken entstand, sondern aus der Idee eines freien und unzensierten Internets — von dem wir heute weiter entfernt sind als in seinen Anfangsjahren. Denn, so Stefan Mey, gesammelte Daten verleihen Macht, und Macht kann auch missbraucht werden, beispielsweise durch totalitäre Systeme oder auch durch marktbeherrschende Konzerne. Die Anonymität des Darknet kann daher auch demokratischen Werten und dem Bemühen um Gerechtigkeit dienen, indem es beispielsweise einen geschützten Raum für die freie Meinungsäußerung oder für die Offenlegung unrechter Machenschaften ermöglicht. So gibt es im Darknet Foren von Menschenrechtsgruppen und abhörsichere Postfächer für Whistleblower, deren Tun zwar sozial erwünscht, aber dennoch strafbar ist.

Weil das Darknet auch kriminellen und verabscheuungswürdigen Machenschaften einen geschützten Raum bietet, steht es regelmäßig im Fokus der Fahnder. Aber selbst der Nutzung im illegalen Bereich lassen sich manchmal positive Aspekte abgewinnen: Im Gegensatz zum herkömmlichen Schwarzmarkt für illegale Substanzen, bei dem minderwertige Waren zahlreiche Opfer fordern, gibt es im Darknet eine Qualitätskontrolle durch Nutzerbewertungen.

Der Vortragende lässt seine Zuhörer sensibilisiert dafür zurück, dass es mit dem Darknet nicht anders ist als mit anderen Technologien: Nicht die Technologie an sich, sondern die Art der Nutzung entscheidet darüber, ob sie Heil oder Schaden stiftet.

Wer mehr über dieses komplexe Thema wissen möchte, dem sei das im Verlag C. H. Beck erschienene Buch „Darknet“ von Stefan Mey wärmstens empfohlen.

 

Fotos: Patricia Rex


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Plakat an Fenster der Bücherei

Vortragsankündigung der Gemeindebücherei Feldafing.

Karin Bergfeld begrüßt das Publikum.

Karin Bergfeld, Gemeinderätin in Feldafing und Vorstandsmitglied der Volkshochschule Starnberger See e. V., begrüßt das Publikum.

Christine Loibl in der Gemeindebücherei Feldafing.

Christine Loibl, Leiterin der Volkshochschule Starnberger See e. V., eröffnet das Thema.

Referent Stefan Mey.

Stefan Mey erklärt das Prinzip der digitalen Briefkästen für Whistleblower.

Stefan Mey in den Räumen der Gemeindebücherei.

Die Gemeindebücherei bietet einen behaglichen Rahmen für ein manchmal unbehagliches Thema.